Im Anfang war das (Friedens-)Wort

16.3.2021

claudiognypek

Die rheinische Kirche auf dem Weg zur Kirche des gerechten Friedens – 8. Rheinische Friedenskonferenz tagte erstmals online Es war ein Meilenstein: Im Januar 2021 stellte ...

Die rheinische Kirche auf dem Weg zur Kirche des gerechten Friedens – 8. Rheinische Friedenskonferenz tagte erstmals online

Es war ein Meilenstein: Im Januar 2021 stellte die Landessynode fest, dass die Evangelische Kirche im Rheinland Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens ist und ihrem biblischen Auftrag nachkommt, Frieden zu stiften und für Gerechtigkeit einzutreten. Es war der Abschluss einer intensiven friedensethischen Diskussion, die mit der Verabschiedung des Friedenswortes 2018 aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 100 Jahren durch die Landessynode begann.

„Der Beschluss der Landessynode 2021 stellt als Ergebnis des Diskussionsprozesses den Konsens fest, Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens zu sein und betont zugleich die Prozesshaftigkeit dieses Weges“, unterstrich der Jülicher Superintendent Jens Sannig bei der 8. Rheinischen Friedenskonferenz, wo er das friedensethische Papier ausführlich vorstellte. Als Vorsitzender des landessynodalen Ausschusses für öffentliche Verantwortung war er maßgeblich an dieser Diskussion beteiligt. Die Diskussion gehe weiter, unterstrich er. Aber er machte auch deutlich: „Eines hat die Landessynode entschieden: Die Evangelische Kirche im Rheinland ist Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens!“

Mit diesem Satz bekräftige die Synode und damit auch die Landeskirche den Gedanken des Friedens als Prozess, Und: „Sie begibt sich auf einen, ökumenisch gesprochen, Pilgerweg, der die Themen Gerechtigkeit und Frieden gemeinsam im Blick hält. Sie weiß, dass sie dabei im Horizont des von Menschen nicht zu schaffenden Schaloms Gottes steht, das heißt, auf Gottesdienst und Gebet angewiesen ist. Aber sie wagt es, der Welt den Paradigmenwechsel von der ultima ratio des Krieges zur prima ratio des Friedens zu sagen“, so Superintendent Sannig.

Doch was heißt es konkret, Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens zu sein. In drei Themenbereichen versuchte die Rheinische Friedenskonferenz, konkrete Handlungsfelder herauszuarbeiten: Kleinwaffen in Kinderhänden, Rüstungsexporte von Unternehmen im Rheinland und die Verständigung mit Russland.

Ralf Willinger von terre des hommes stellte dabei die Studie „Kleinwaffen in Kinderhänden“ vor, in der aufgezeigt wird, wie Deutschland Kleinwaffen in viele Konfliktregionen liefert und so zur weiteren Eskalation von Konflikten und damit auch dem Leid vieler Kinder beiträgt. Michael Starck von der Evangelischen Landeskirche in Baden berichtete davon, wie die Düsseldorfer Rheinmetall AG über einen italienischen Munitionshersteller und die Firma RWM Italia die Vorgaben der deutschen Politik zu Rüstungsexporten umgeht, wie aber auch gleichzeitig eine alternative Ökonomie ohne Waffenproduktion in Sardinien aufgebaut wird. Und Professor Dr. Hanne-Margret Birckenbach warnte vor einem Sog der Eskalation zwischen Europa und Russland, weil es zu wenig Verständigung untereinander gibt und eine Kommunikation zwischen den jeweiligen Zivilgesellschaften gibt. In Gruppen überlegten die Teilnehmer der Rheinischen Friedenskonferenz, wie die rheinische Kirche und die Gemeinden diese Punkte für eigene Projekte umsetzen könnten.

Die Rheinische Friedenskonferenz, an der mehr als 70 Personen teilnahmen und die erstmals online tagte, appellierte an die Landeskirche, die Stelle eines oder einer Friedensbeauftragten der rheinischen Kirche zeitnah wieder zu besetzen. Auch forderte die Friedenskonferenz die AG Friedensarbeit, die in Kürze von der Kirchenleitung wieder neu berufen wird, auf, sich mit dem Thema Zivilsteuergesetz zum Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung in der Steuerzahlung zu beschäftigen. Und schließlich sprachen sich die Teilnehmer der Friedenskonferenz dafür aus, dass die Landeskirche aus Anlass des 80. Jahrestags des Überfalls Deutschland auf die Sowjetunion ein Wort veröffentlicht.

„Als Kirche des gerechten Friedens können wir mit unserer Lehre von der Würde eines jeden Menschen, die sich in der Gottebenbildlichkeit selbst begründet, zum Aufbau einer neuen Friedensordnung beitragen. Indem wir Lernende werden, wie Jesus selbst, indem wir zuhören, uns öffnen und interessieren für das Fremde, das Leiden des Gegenübers an uns heranlassen und Grenzen überschreiten, den interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog pflegen und stärken und so gemeinsam nach neuen Möglichkeiten der Vertrauensbildung auf dem Weg zum Frieden suchen“, hatte Superintendent Jens Sannig in seiner Andacht zu Beginn der Rheinischen Friedenskonferenz betont. Bei der Tagung wurden dazu die ersten Schritte getan.